Brexit

Brexit - Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Der ungeordnete Austritt Großbritanniens ist (vorläufig) abgesagt. Die EU gewährt den Briten mehr Zeit, den passenden Vertrag zum Ausstieg herzustellen. Bis zum 31. Oktober soll ein geregelter Austritt nun spätestens abgewickelt werden. Die Unsicherheit für Unternehmen bleibt jedoch bestehen.

Das erwartete wirtschaftliche Chaos ist fürs Erste abgewendet. Trotzdem sind die Auswirkungen des Brexits im steuerlichen Bereich nach wie vor nicht absehbar. Betroffen sind hauptsächlich Unternehmen, die in Großbritannien mittelbar oder unmittelbar tätig sind: für Zweigniederlassungen oder Tochtergesellschaften in UK könnten sich höhere steuerliche Belastungen ergeben. Auch bei Exportgeschäften und Kooperationen könnte die Steuerbelastung für österreichische Unternehmen steigen.

Der künftige Status von Großbritannien bleibt unklar

Falls das britische Parlament dem Austrittsabkommen mit der EU noch zustimmt, hat das Vereinigte Königreich aufgrund von Übergangsbestimmungen bis zum 31.12.2020 den gleichen Status wie ein EU-Mitglied. Danach wird Großbritannien zum Drittstaat und verlässt den Binnenmarkt und die Zollunion der Europäischen Union. Allerdings steht nach wie vor auch noch die Möglichkeit eines ungeregelten „Hard Brexits“ im Raum.

Umsatz- und ertragsteuerliche Auswirkungen

Sicher ist: Sobald das Vereinigte Königreich zum Drittstaat wird, egal ob durch einen ungeregelten „Hard Brexit“ oder durch Ablaufen der Übergangsbestimmungen, bringt dies aus steuerlicher Sicht einschneidende Veränderungen mit sich. Nachfolgend einige Beispiele:

  • Umsatzsteuer: Die EU-Mehrwertsteuerrichtlinie für Geschäfte zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich würde nicht mehr gelten. Lieferungen an Unternehmer in Großbritannien wären somit keine innergemeinschaftlichen Lieferungen, sondern Ausfuhrlieferungen. Warenbezüge von Unternehmern im Vereinigen Königreich würden keine innergemeinschaftlichen Erwerbe mehr darstellen und daher in der EU der Einfuhrverzollung unterliegen.

  • Ertragssteuern: Bei der Wegzugsbesteuerung entfällt in Wegzugsfällen in das Vereinigte Königreich die Möglichkeit der Ratenzahlung, die Steuerlast auf stille Reserven würde dann sofort fällig werden.

  • Ebenso sind Auswirkungen auf Outbound-Dividenden (Zahlung von Österreich nach UK) zu erwarten, da die KESt-Befreiung (österreichische Umsetzung der Mutter-Tochter-Richtlinie) unwirksam wird. Bei Outbound-Lizenzzahlungen ist die Einbehaltung einer Quellensteuer in der Höhe von 10% möglich. Für Zinszahlungen ergeben sich durch den Austritt voraussichtlich nur marginale Änderungen.

  • Neben den umsatz- und ertragsteuerlichen Auswirkungen wird der Brexit auch großen Einfluss auf Zölle, Sozialversicherungsangelegenheiten für grenzüberschreitend tätige Personen und viele andere Rechtsbereiche haben.

Unsere Experten aus den Bereichen Tax, Advisory und Outsourcing unterstützen Sie gerne und stehen Ihnen bei allen Fragen rund um den Brexit zur Verfügung.

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Brexit by a Brit

Unser International Liaison Director Andrew Dickson nimmt den Brexit mit britischem Humor: Hier geht’s zum Kommentar