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Investitionsfreibetrag 2023

By:
Mariella Datzreiter
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Im Zuge der ökosozialen Steuerreform (ÖkoStRefG 2022 Teil I) wurde eine altbekannte Maßnahme reaktiviert: der Investitionsfreibetrag für Wirtschaftsgüter des abnutzbaren Anlagevermögens in §11 EStG. Zielsetzung des Investitionsfreibetrages – oder kurz „IFB“ - ist dabei Investitionsanreize durch die steuerwirksame Geltendmachung zusätzlicher Betriebsausgaben zu schaffen.
Contents

Der Investitionsfreibetrag kann als Betriebsausgabe bei der nach dem 31.12.2022 erfolgten Anschaffung oder Herstellung von Wirtschaftsgütern des abnutzbaren Anlagevermögens geltend gemacht werden. Der „IFB“ findet dabei nur für Wirtschaftsgüter Anwendung, die eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von mindestens vier Jahren haben und zusätzlich inländischen Betrieben oder Betriebsstätten zuzurechnen sind (gem. §11 Abs. 2 EStG).

Der Investitionsfreibetrag steht nicht zu:

  • wenn der Gewinn nach §17 EStG oder einer darauf gestützten Pauschalierungsverordnung ermittelt wird
  • für geringwertige Wirtschaftsgüter, die sofort abgesetzt werden (§13 EStG)- Wirtschaftsgüter mit einer Sonderform der Absetzung für Abnutzung (z.B.: Gebäude, Kfz – ausgenommen Kfz mit 0 Gramm CO2 Ausstoß) - Wirtschaftsgüter, die zur Deckung des investitionsbedingten Gewinnfreibetrages herangezogen werden
  • für unkörperliche Wirtschaftsgüter, außer sie dienen den Bereichen Digitalisierung, Ökologisierung oder Gesundheit/Life-Science. Ausgenommen bleiben jedoch stets unkörperliche Wirtschaftsgüter, die zur unentgeltlichen Überlassung bestimmt sind.
  • für gebrauchte Wirtschaftsgüter
  • für Anlagen, die der Förderung, dem Transport oder der Speicherung fossiler Energieträger dienen, sowie Anlagen, die fossile Energieträger direkt nutzen

 

Wirkungsweise des „IFB“

Da die Absetzung für Abnutzung (AfA) vom Investitionsfreibetrag nicht berührt wird, handelt es sich bei diesem um eine über die Abschreibung hinausgehende, steuerlich wirksame Betriebsausgabe. Die Höhe des Investitionsfreibetrags ist abhängig davon, in welchen Bereich investiert wird. Fällt eine Anschaffung oder Herstellung in den Bereich der Ökologisierung, beträgt der Investitionsfreibetrag 15 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Bei allen übrigen Wirtschaftsgütern beträgt dieser 10 Prozent.  Welche Wirtschaftsgüter in die Kategorie „Ökologisierung“ fallen, ist durch eine Verordnung näher zu definieren. (Diese liegt noch nicht vor)

§11 Z 2 EStG sieht überdies eine Deckelung der Bemessungsgrundlage im Sinne der Anschaffungs- und Herstellungskosten von € 1.000.000 pro Wirtschaftsjahr vor. Liegt ein Rumpfwirtschaftsjahr vor, ist der Höchstbetrag zu aliquotieren (§11 Abs. 1 Z 2 EStG).

 

Wer kann den „IFB“ beantragen?

Voraussetzung für die Beantragung des Investitionsfreibetrages, ist das Erzielen betrieblicher Einkünfte gem. § 2 Abs. 3 Z1 EStG. So können sowohl Gesellschaften (juristische Personen) als auch natürliche Personen den Investitionsfreibetrag beanspruchen, wenn sie Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, selbständiger Arbeit oder Gewerbebetrieb erzielen.

 

Was passiert, wenn ein Wirtschaftsgut vor der 4-Jahres-Frist ausscheidet?

Grundsätzlich besteht in diesem Fall eine Nachversteuerungspflicht. Ausgenommen davon sind bestimmte Konstellationen, wie die entgeltliche Überlassung des Wirtschaftsgutes in einen Mitgliedsstaat der EU, einen Staat des europäischen Wirtschaftsraumes oder das Ausscheiden infolge höherer Gewalt oder behördlichen Eingriffs.

  1. Der Investitionsfreibetrag ist im Jahr des Ausscheidens oder des Ver­bringens ins Ausland insoweit gewinnerhöhend anzusetzen.
  2. Im Falle der Übertragung eines Betriebes ist der gewinnerhöhende Ansatz beim Rechtsnachfolger vorzu­nehmen.
  3. Der gewinnerhöhende Ansatz unterbleibt im Falle des Ausscheidens infolge höherer Gewalt (Brand, Bruch, Diebstahl, Unfall) oder behördlichen Eingriffs (z. B. Enteignung)

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