Update Brexit

Großbritanniens Steuer-Fahrplan

Neue steuerliche Vorhaben nach der Wahl

Die konservativen Tories haben bei der Unterhauswahl die absolute Mandatsmehrheit errungen. Der britische Premierminister Boris Johnson will den Brexit nun rasch abwickeln und auch das nationale Steuersystem reformieren.

Am 31. Januar 2020 wird das Vereinigte Königreich die EU mit einer elfmonatigen Übergangsfrist verlassen. Die meisten Regelungen werden während der Übergangszeit nicht geändert, ab Ende Jänner 2020 sind aber einige Auswirkungen auf die internationale Besteuerung zu erwarten.

 

Brexit

Großbritannien wird voraussichtlich am 31.12.2020 aus dem Binnenmarkt und der Zollunion aussteigen.

Dies bedingt im Vorfeld:

  • Großbritannien wir nicht mehr Teil einer Zollunion sein
  • Änderungen bei grenzüberschreitenden Quellensteuern
  • Entwicklung neuer grenzüberschreitender Mehrwertsteuerregelungen und Zollverfahren
  • Abschluss eines Freihandelsabkommens oder Handel mit der EU auf Basis der Regeln der Welthandelsorganisation (WTO)
  • Eine spezielle Zoll- und Mehrwertsteuerregelung für Nordirland
Umgestaltung des nationalen Steuersystems

Umgestaltung des nationalen Steuersystems

Im Hinblick auf den Brexit stellen sich für die Bevölkerung und Unternehmen in Großbritannien und der EU diverse steuerliche Fragen, für die von der britischen Regierung ein Fahrplan entwickelt wurde. In ihrem Wahlmanifest haben sich die Konservativen vorgenommen, das nationale Steuersystem so zu modifizieren, dass es einerseits wirtschaftliches Wachstum sowie Löhne und Gehälter ankurbelt und andererseits Steuervorteile für Reiche begrenzt.

Hier finden Sie einen Teil der geplanten Maßnahmen:

  • Großbritannien will sich zu einem fünfjährigen „Triple-Lock“ verpflichten. Das bedeutet, dass Einkommensteuer, Sozialversicherung und Mehrwertsteuer innerhalb dieses Zeitrahmens nicht erhöht werden.
  • Der Haushaltsplan der britischen Regierung soll im Februar oder März 2020 bekanntgegeben werden. Er wird die Steuersätze ab April 2020 (das Steuerjahr beginnt in Großbritannien am 1.4. eines jeden Jahres) sowie alle zusätzlichen Ausgaben 2020/21 festlegen. Dazu gehört auch die Zusage, die Schwelle für die Sozialversicherung auf 9.500 £ anzuheben.
  • Für die Erbschaftssteuer gibt es bisher noch keine Ankündigungen, Änderungen sind aber möglich.
  • Die Bereiche Einkommens- und Kapitalertragsteuer sollen reformiert werden, neue Entlastungen für Unternehmer sind angedacht.
  • Für die Pauschalbesteuerung von Ausländern mit steuerlichen Wohnsitz (UK besteuert nur Einkommen aus UK bzw Zuflüsse nach UK) in Großbritannien sind keine Änderungen bekannt; in der Praxis erwartet man eine Zunahme von Anträgen.
  • Die Veräußerungsgewinnbesteuerung wird hinterfragt und uU geändert werden; man wird uU Überlegungen hinsichtlich vorgezogener Transaktion anstellen müssen
  • Es soll einen zusätzlichen Grunderwerbssteuerzuschlag auf nicht in Großbritannien ansässige Käufer geben. Dies betrifft sowohl Unternehmen als auch Einzelpersonen und Expats.
  • Die Structures and Building Allowance (SBA) ist ein Zuschuss auf Ausgaben für den Kauf, den Bau oder die Renovierung von Nichtwohngebäuden. Sie soll um 1% erhöht werden.
  • Die Körperschaftsteuer bleibt bei 19%. Pläne, diese auf 17% zu reduzieren, wurden verworfen.
  • Die Wirtschaftsförderungsprogramme Seed Enterprise Investment Scheme und Enterprise Investment Scheme werden auch im nächsten Parlament fortgesetzt. Steuergutschriften für Aufwendungen im Zusammenhang mit Forschung und Entwicklung sollen auf 13% erhöhen werden. Zudem ist geplant, künftig auch die Bereiche Cloud-Computing und Daten steuerlich zu begünstigen.
  • Ab April 2020 soll die Digital Services Tax eingeführt werden, eine Steuer von 2% auf die Einnahmen von Suchmaschinen, Social Media Plattformen und Online-Marktplätzen, die von britischen Nutzern profitieren.
Steuerhinterziehung eindämmen

Ein neues Maßnahmenpaket soll Steuerhinterziehung in Großbritannien bekämpfen und die Möglichkeiten für aggressive Steuergestaltung verringern. Es beinhaltet unter anderem die Schaffung einer vereinheitlichten, mit mehr Ressourcen ausgestatteten Behörde zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung und die Verdoppelung der maximalen Haftstrafe für schwerwiegenden Steuerbetrug auf 14 Jahre.

Reformierung von Maßnahmen zur Entlastung von kleinen Unternehmen
  • Das System, auf dessen Basis die britischen Unternehmenssteuersätze berechnet werden, soll überprüft werden. Für kleine Einzelhandelsgeschäfte gibt es den Plan, den Abschlag auf Unternehmenssteuersätze für den Zeitraum von einem Jahr (2020-2021) zu erhöhen. Diese Begünstigung soll auch auf lokale Musikzentren, kleine Kinos und Pubs ausgedehnt werden.
  • Die Konservativen wollen zudem die Beschäftigungsbeihilfe um 1.000 £ pro Unternehmen für kleine Unternehmen erhöhen.