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Was Off-Shore-Compliance ist und warum wir es nicht brauchen

Mag. (FH) Ewald Kager Mag. (FH) Ewald Kager

Es wird Zeit, zahnlose Compliance, also machtlose Compliance-Officer und nutzlose ABC-Programme, neu zu benennen: „Off-Shore-Compliance“ ist der redliche Versuch, Compliance Officer zu ernennen und diese walten, aber  meist aus unredlichen Gründen wie Profitgier nicht schalten zu lassen. Aktuelles Beispiel dafür ist der Leak bei Appleby in den Bahamas.

Süddeutsche Zeitung und International Consortium of Investigative Journalists ICIJ erschüttern in regelmäßigen Abständen Rechtsanwaltskanzleien, Politiker- und Vorstands-Büros mit neuen Enthüllungen. Aktuell finden sich in der freien Online-Datenbank https://offshoreleaks.icij.org/ an die 500.000 Off-Shore-Firmen, Foundations und Trusts aus dem Bestand der Panama Papers, Offshore Leaks, Bahamas Leaks und bald auch den Paradise Papers. Bei den Paradise Papers handelt es sich um das neueste Datenleck (sog. „Leak“) von 13,4 Mio. elektronischen Dokumenten, das der Süddeutsche Zeitung vor einem Jahr anonym übermittelt wurde. Das Journalistenkollektiv ICIJ, dem neben Redakteuren der Süddeutschen auch Journalisten von ORF und Falter angehören, plant in den kommenden Wochen die Freigabe der Daten, die seit der Übergabe analysiert worden sind. Flöttl, Gusenbauer und Schwedenbomben stehen an Enthüllungsthemen für Österreich an.

Doch ein Thema interessiert uns hier besonders: Wie ticken eigentlich die betroffenen Mitarbeiter bei den Quellen dieses Datenlecks – in Rechtsanwaltskanzleien wie Mossack Fonseca (Hauptsitz Panama) oder Appleby (Hauptsitz Bahamas)? Bei Mossack Fonseca ist das Verhalten einer Mitarbeiterin in Las Vegas in E-Mails dokumentiert, deren ignorantes Verhalten hinsichtlich Computersicherheit die interne IT-Abteilung schlichtweg in den Wahnsinn getrieben hat. Denn wer braucht schon einen sicheren Citrix-Terminal-Zugang, wenn besagte Mitarbeiterin einfacher und schneller unverschlüsselt auf illegale Geschäftspraktiken hinweisen kann?

Bei dem neuesten Leak gibt es bereits erste Analysen zum Verhalten von Appleby Mitarbeitern. So ist über den Firmengründer Major APPLEBY das Zitat „Those who look on all income tax as a man’s last refinement of torture” bekannt. Noch interessanter sind aber interne Kommentare zur Effizienz der Compliance/KYC-Systeme: „Some of the crap we accept is amazing, totally amazing” oder „Money laundering is a dirty crime, there is usually always a victim at the bottom oft he pile and a rich person at the top.“– so Robert WOODS, Compliance Officer bei Appleby in internen Schulungsunterlagen.

Dass Apple, Nike, Starbucks oder U2-Sänger Bono ihre Steuern optimieren, ist hinlänglich bekannt. Hier ist vor allem die Politik gefragt, solche Methoden zu unterbinden. Innovative, neuartige Gesellschaftsformen sind dabei nicht immer förderlich. Auch sollten steueroptimierende Gesellschaftsformen nicht nur im Ausland kritisiert bzw. mit Sanktionen bekämpft werden, um im Gegenzug eigene Gesellschaften im Inland zu fördern. So wird beispielsweise in den USA das Schweizer Bankgeheimnis von den USA angeprangert, gleichzeitig  jedoch aus der Schweiz rückgeholtes Vermögen von fraglichen Firmen in Las Vegas verwaltet.

Noch problematischer wird es, wenn bewusst jene Kunden in Kauf genommen werden, deren Geschäftsfelder illegal (z.B. Ehud Arye Laniad von Omega Diamonds; Blutdiamanten) oder kriminell (z.B. Edward Furtak; Ponzi-Scheme) sind. In beiden Fällen hatte Compliance Manager Robert WOODS zuvor gewarnt – „raking in the fees“ war für Appleby allerdings wichtiger.

Werfen wir nun als Berater mit Ziegelsteinen im Glasbüro der Steuerberater? Nein, jede Branche hat ihre guten und schlechten Seiten und keine Branche darf pauschal unter Generalverdacht gestellt werden. Solange komplizierte Gesetzte entstehen, brauchen wir Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftstreuhänder, Forensiker, aber auch Journalisten und Aktivisten. Um den ehemaligen UNO Vorsitzenden Kofi ANNAN zu zitieren: „The only way to stop this sort of game is to push for transparency. Transparency is a powerful tool. We should get the companies and the governments to publish the contracts that have been signed, what the companies earned and how much they paid to the government in taxes. The public also needs to know what the government did with the money.”

Wir unterstützen Sie mit transparenten Methoden in der Datenanalyse, Forensic und Corporate Intelligence, damit Transparenz in die Netzwerke Ihrer Geschäftspartner, Kunden, Stakeholder und (potentiellen) Mitarbeiter gelangt.