• Frauen in Führungspositionen. 08.03.2017

Kein Durchbruch der gläsernen Decke

Laut einer internationalen Studie von Grant Thornton sind nur 26 % der Führungspositionen von Frauen besetzt. Schwellenländer führen beim Frauenanteil im Top-Management.

  • Der Frauenanteil in Führungspositionen steigt im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozentpunkte auf 26 %.
  • Weltweit leichter Rückgang bei Unternehmen ohne Frauen im Top-Management um einen Prozentpunkt auf aktuell 36 %.

51,1 % der Bevölkerung in Österreich ist weiblich, aber in den Unternehmen finden sich nach wie vor nur wenige Frauen in Führungspositionen. Eine aktuelle Studie des internationalen Beratungsunternehmens Grant Thornton anlässlich des Weltfrauentags zeigt deutlich, dass insbesondere die Länder des ehemaligen Ostblocks bei der Gleichberechtigung im Beruf eine Vorreiterrolle einnehmen und dabei Länder wie Österreich auf die hinteren Ränge verweisen. Estland und Polen glänzen mit einer Frauenquote von 40 % im Top-Management und hängen damit die etablierten Industrienationen im Westen weiterhin ab. So weisen Deutschland mit 18 %, Großbritannien mit 19 % sowie Griechenland und die Niederlande mit jeweils 20 % eine um die Hälfte geringere Frauenquote auf. Österreich rangiert mit mageren 23 % nur geringfügig darüber.

Der Report von Grant Thornton Women in Business: New perspectives on risk and reward (Frauen im Geschäftsleben: Perspektiven hinsichtlich Risiko und Nutzen) betont nicht zuletzt deshalb die Wichtigkeit der Geschlechterdiversität in Führungsteams. Andrea Draskovits, Partnerin bei Grant Thornton, erläutert: „Es ist ermutigend zu sehen, dass viele Unternehmen in der EU ihren Frauenanteil in Führungspositionen steigern konnten. Es handelt sich dabei allerdings nur um eine leichte Verbesserung und wir befinden uns erst auf halber Strecke. Selbst wenn Diversität die Geschäftsergebnisse nachweislich verbessert, kann leider konsterniert festgestellt werden, dass die Erhöhung des Frauenanteils weltweit weiterhin nur sehr schleppend vorangeht. Dies stellt ein echtes Problem für die Wachstumsziele von Unternehmen dar, da vorhandenes Potential nicht genutzt wird.Hier bleibt auch die Politik gefordert, jedoch sollte diese mit gutem Beispiel vorangehen, anstatt die Wirtschaft mit Regularien zu überhäufen. Denn der Frauenanteil im österreichischen Parlament liegt nach wie vor unter 35 %.“

Die von Grant Thornton erhobenen Daten zeigen zudem, dass die MINT-Länder (Mexiko, Indonesien, Nigeria und Türkei) die deutlichsten Zuwachsraten bei Frauen in Führungspositionen aufweisen.

Sie konnten beim Frauenanteil im Top-Management eine Steigerung von vier Prozentpunkten verzeichnen. Der Anteil von Unternehmen ohne Frauen in Führungspositionen sank in diesen Ländern gleichzeitig von 36 % auf aktuell  27 %, während parallel dazu der Frauenanteil in den G7-Ländern nach wie vor stagniert. Der Westen läuft einmal mehr Gefahr, globale Trends zu ignorieren.

„Die Daten der großen Volkswirtschaften mögen entmutigend wirken, die Ursachen dafür sind aber sicherlich vielfältig. Man bekommt zudem das Gefühl, das Thema hätte sein Plateau erreicht, weil viele Unternehmen vielleicht dem Irrglauben erliegen, dass die Diversitätsfrage bereits geklärt ist. Die erhobenen Daten zeigen jedoch eindeutig, dass dem nicht so ist“, so Andrea Draskovits.

Weltweit stehen Unternehmen vor großen Herausforderungen. Es gilt produktiver, innovativer und in vielen Fragen offener zu werden, wenn weiterhin Wachstum erzielt werden soll. Diversität bleibt einer der Schlüssel zum Erfolg.

Firmen, die sich dieser Entwicklung verschließen, riskieren schon deshalb ihr volles Potential nicht auszuschöpfen, weil sie ihren Zugang zur Ideenvielfalt  einschränken.

Der ganze Bericht Women in Business 2017: New perspectives on risk and reward ist ab 8. März 2017 hier zum download.